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  • Markus Menhofer, Meiko Bruns

IT`S SHOW TIME! #STUDIOPRODUKTION

Aktualisiert: Feb 22


Wir hatten das Glück, unsere erste große Studioproduktion auf die Beine zu stellen. Hier ein Produktionsbericht - Der etwas anderen Art:

DIE ANFRAGE ...

Welche Filmproduktionsfirma freut sich nicht, wenn das Telefon klingelt und jemand am anderen Ende eine attraktive Herausforderung parat hat?

Internationaler Kunde, Talkshow im CNN Look.

Wow, nicht eine Talkshow, sondern gleich vier Stück. - 90 Minüter, sollen produziert werden...

YES WE CAN war die Antwort.

Die Agentur, der vermittelnde Kunde und der Auftraggeber beschreiben ihre Vorstellungen.

Wir begeistern uns im Produktionsteam gegenseitig und Ideen schwirren durch den Raum.

Es kommen jedoch schnell die ersten Fragen auf.

Kann man vier Shows in vier Tagen erstellen? Vielleicht sogar in zwei Tagen, aus Budgetgründen?

Wir einigen uns auf drei Drehtage. Anstrengendes Programm, oder eher unmöglich?!

WIR BEKOMMEN DAS HIN...

Die Planungen beginnen. Ein passendes Studio muss zur entsprechenden Zeit gefunden werden. Ein Konzept entwickelt und das Angebot ständig angepasst werden. Ja, und ein passendes Team muss zusammen gestellt werden. WERDEN, WERDEN, WERDEN...

Wir haben satte 2 Wochen Zeit dafür, lach oder eher heul? Menschen, die man in der Arbeit persönlich kennen und schätzen gelernt hat und andere, die man erst kennen lernen wird, stoßen zum Kernteam. Es geht ans Eingemachte, das Risiko ist hoch, finanziell, als auch produktionsbedingt.

PLANUNGSPHASE...

Präsentationen müssen gefertigt werden, CAD Zeichnungen erstellt, Looks kreiert und Abläufe vorgeplant.

Der Email Verkehr nimmt außergewöhnliche Ausmaße an. "Mit wie Vielen sitzen die da in Amerika?"

Die Dropboxordner mit Inhalten zu den Sendungen beschäftigen uns Stunden lang, Ordnung ist anders. Wir sichten und sortieren.

Datenmanagment das A und O.

Wieso ist dass nicht längst schon vom Kunden gemacht worden? Das war anders besprochen. Die Zeit vergeht wie im Fluge. Schon wieder 2:00 Uhr in der Früh, FEIERABEND. Die Zeitverschiebung von 8 Stunden zollt ihren Tribut. Wenn wir schlafen, drehen die am anderen Ende des Teiches erst richtig auf. Nun gut, kann man sich sagen, dann fangen wir eben später an zu arbeiten. Jedoch unsere Anfragen und Absprachen können hier in Kölle nun leider nicht erst um 16:00 Uhr gestellt werden.

AUGEN ZU UND DURCH...

So nebenbei, in der heißen Phase meint unser Hoster nun auch noch, mit uns auf einen neuen Server ziehen zu müssen, HEKTIK, nicht auch noch das! Kein Mailverkehr für mehrere Stunden.

Egal. Wir bleiben so ruhig es geht, wir haben auch noch anderes zu tun.

Die Deadlines. die wir gesetzt haben, verstreichen wie im Fluge. Es müssen Entscheidungen getroffen werden, aber eigentlich nicht von uns. Sind wir die Einzigen die wissen, das wir in 7 Tagen im Studio sind und das Set noch nicht gebaut werden konnte?

Sodele, Nägel mit Köpfen, wir entscheiden, nur noch 3 Tage bis zum Studioaufbau. Wir sind gespannt, was der Kunde sagt, wenn er am Montag bei der Abnahme das Ergebnis sieht.

IRRITIERT, INHALTE...

Für gewöhnlich gibt es die ersten irritierenden Momente, wenn über Geld gesprochen wird. Bei uns war das nicht so, na ja nicht ganz ;-)

Der erste irritierende Moment hier im Büro kam, als wir in der Kürze der Zeit nun versucht haben, heraus zu finden, was der Kunde eigentlich genau will. Jenseits der ersten, groben Gedanken. Wie sieht die Show eigentlich aus?

Die Amerikaner treten endlich 5 Tage vor Drehbeginn beeindruckend und zielorientiert auf. Es gibt tatsächlich nicht nur Pläne, sondern Schedules. Und einen „Run of Show“, eine Excel-Tabelle mit einer Vielzahl von Daten.

ÜBERSETZUNGSPROBLEM...

Nicht vom Englischen ins Deutsche, sondern von der „Idee“ in die „Umsetzung“. Über das Setting herrscht tatsächlich schnell eine vage Vorstellung. Wäre jetzt eh nicht mehr zu ändern, zwinker. Aber was genau in dem Setting in welchem Ablauf passieren soll, lässt sich aus der Excel-Tabelle nicht so wirklich herauslesen. Video-Assets werden während der Live-Aufzeichnung benötigt, die aber nicht wirklich Live sein müssen. Und PIPs (Picture in Picture) sollen auch erscheinen. Okay, machen wir, aber wie und wann genau? VERDAMMT. Warum wissen wir eigentlich nicht, mit welchem Inhalt wir es zu tun haben? Warum gibt es eigentlich kein Drehbuch, kein Script? Doch, gibt es. Schickt man von Übersee, wenn es fertig ist. Und was machen wir bis dahin? Einfach mal, wie die ganze Zeit schon, ins Blaue hinein planen? Oder abwarten?

Der Global Player Kunde plant einen International Call, zur Klärung von Fragen und zum ersten Beschnuppern. Per Mail gibt es eine Telefonnummer, die man anrufen kann, und dann sind zehn Teilnehmer in einer Leitung. Und das war dann auch der Moment, an dem die dunklen Wolken am Produktionshorizont noch dunkler wurden.

GREEN SCREEN...

Die wagemutige Frage der Agentur kam dann auf: Was wäre, wenn wir in vier Tagen am ersten Drehtag sagen: „Das Studio sieht nicht gut aus, wie wäre es, wenn wir einen Green Screen über die Rückwand werfen und den Hintergrund digital produzieren?" - Kurzes Schweigen

Vielleicht war der Hinweis zu vorsichtig, dass das ein bisschen knapp werden könnte für die Kameras, die Beleuchtung, die Postproduktion und für so ziemlich jeden in der Produktionskette. Man sollte in einem solchen Moment nicht zögern, dieses eine Wort zu sagen, das uns allen so schwer fällt, das aber mitunter so viel Klärung bedeuten kann: „NEIN!“. Ein Drehbuch gab es aber leider immer noch nicht.

DREH BEGINN...

Am Montag, einen Tag vor dem ersten Drehtag, wird die digitale Begegnung über Dropbox, Mail und Telefon dann zur realen. Übrigens ein Feiertag. Die verantwortliche Agentur besichtigt unser Studio, der Marketing CEO unseres Kunden, der Autor des Scripts. Ja, wir haben irgendwann ein Script bekommen. Nicht nur eines, sondern auch die neueste Version.

Und dann irgendwann auch die zwanzigste Version. Wir wissen nicht so genau, was sich geändert hat, weil es im Script nicht markiert ist – und sich weiterhin ändern wird. Aber wir haben inzwischen voll den Überblick: Talkrunde, dazwischen andere Gespräche, die wir zu einem anderen Zeitpunkt aufnehmen, in die Sendung möglichst live herein geschnitten. Über zwei ansehnliche Monitore in der Rückwand des Studios: Video Assets und – Skype Telefonate. Oh, insgesamt 50 Zuspieler! Wir möchten an dieser Stelle jedem, der ein ähnliches Format beabsichtigt, dringend von Skype Telefonaten in einer Aufzeichnung abraten. Jedenfalls dann, wenn 2 Tage lang unsere offene Skype Probe von den Teilnehmern nicht genutzt wird - von keinem. Dann passiert schließlich, dass die Verbindung während der Aufzeichnung abbricht, naja, eben Latein Amerikanische Leitungen.

Das ist an sich nicht so schlimm. Kann man ja gesondert aufzeichnen und später einfügen. Haben wir auch so gemacht. Schlimm ist, dass man aufgrund der globalen Zeitverschiebung den Drehplan genau an die Skype Termine anpassen muss. Und dadurch immenser Zeitstress im Studio ausbricht und die Skype-Teilnehmer passiv-aggressiv sind. Denn trotz aller Genauigkeit verbringen sie natürlich Wartezeit vor ihrem Skype-Anschluss. Und Wartezeiten in dieser Branche (Global Player und so) – das geht gar nicht.

NUN REDEN ALLE SPANISCH...

Wirklich problematisch wurde es aber erst, als die Talkrunde, im Livebetrieb, ins freie Reden gerät, während verzweifelte Crew-Mitglieder durch ein zigfach geändertes Script hasten, der Videoeinspieler fragend blickt, wann er die nächste Datenkarte auf die Monitore projizieren soll, der Regisseur seine Anweisungen plötzlich zögernd an die Kameras weitergibt und der Tonmann hilflos die Achseln zuckt. Und das alles war, bevor die Konversation einem spontan mutigem Impuls folgend plötzlich auf Spanisch weiterging. Letzter Rettungsanker ist der amerikanische Autor.

Der muss den Durchblick haben! Aber als ihm im Studio die Frage zu gezischt wurde, wo zur Hölle wir uns gerade in der Aufzeichnung befinden, kam dann auch nur leider die alles zusammen fassende Antwort: „I have no f***g idea!“.

Brechen wir ab oder drehen wir weiter? Der Moderator, im übrigen der charismatische CEO, mit dem Knopf im Ohr, nickt souverän.

Kein Abbruch, kein Teleprompter, keine Einspieler. Dafür 180 Minuten anstatt 95 Minuten Sendung. Wer es sich anschauen möchte ;-)

DAS ERGEBNIS...

Der Job mit dem attraktiven Kunden aus USA hat dann auch in der Postproduktion spannende Momente gehabt, weil alle einfach nach der Produktion zurückgeflogen sind. Ihr tough Guys macht das schon. Ich sag bloß dazu, meine Brille ist weg und 9 Cutter veschlissen. Am Ende standen dann vier versprochene (inzwischen auf bis zu 180 Minuten angewachsene) Talkshows auch zum Download bereit und ein Global Player ist mit dem Ergebnis zufrieden. Und wir?

Wir haben eine neue To-Do-Liste, was in der nächsten Produktion von diesem Kaliber anders laufen wird. Auf alle Fälle weniger Überraschungen. Aber ich bin mir sicher, dass Dinge geschehen werden, an die wir jetzt wieder nicht denken.

Und ich bin mir sicher, auch hier wird wieder der Moment auftauchen, an dem man keine „fucking idea“ hat, was hier gerade passiert. Aber wir werden es wieder lösen.


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